Die Stammbesatzung (Matze – unser Kapitän)

Ehrenamt in höchstem Maße (und auf hoher See) – Hier ein kleiner Überblick, wer in diesem Jahr unsere Gruppe begleitet:

Warum bist du auf der Thor?

Als ich etwa 14 Jahre alt war, habe ich von einer Sommerreise auf der Thor gehört. Ich bin schon vorher auf Jollen gesegelt und meine Mutter erlaubte mir dann mitzufahren. Ich bin dann lange als Stammmitglied mitgefahren, zum Beispiel als Wachführer oder Copi, und habe über die Thor schließlich auch zu meinem Beruf (Schifffahrt) gefunden. Nun bin einer von vielen ehrenamtlichen Kapitänen auf der Thor. Es bereitet mir eine große Freude hier Kapitän mit einer tollen Stammbesatzung zu sein, die Verantwortung für das Gelingen einer solchen Reise zu tragen und ich bin überzeugt davon, dass dadurch, was wir hier auf der Thor machen, die Jugendlichen selbstbewusster und offener durchs Leben gehen.

Was ist dein schönstes Erlebnis auf der Thor?

Da gibt es zu viele, um sich eins auszusuchen. Ein paar Beispiele sind das Segeln in den Oslofjord mit vielen Halsemanövern, eine Atlantiküberquerung und meine erste Reise als Kapitän mit einem starken Sturm in der Nacht südlich von Kopenhagen, das allerdings erst im Nachhinein. Außerdem lernte ich meine Frau auf diesem Schiff kennen.

Was ist dein Lieblingsplatz auf der Thor?

Sitzend auf der Marsrah, während alle Segel gesetzt sind oder in Lee auf der achteren Backskiste.

Was ist dein schönstes Erlebnis mit uns?

Die Halse, in der die Schüler das Kommando an den einzelnen Segelstationen hatten und die Rückkehr der Schüler von der Expi. Und natürlich die geglückte Schiffsübergabe. 

Was ist deine Lieblingswache?

Die von null bis vier, man hat nachts und tagsüber das Schiff für sich, nachts schlafen alle und tagsüber ruhen sich viele nach dem Mittagessen aus.

Seit wann bist du auf der Thor?

Seit 1989.

Was ist deine Aufgabe auf der Thor?

Ich bin Kapitän, ich behalte den Überblick, bin die Schaltzentrale aller Informationen und bin für die Reiseplanung verantwortlich.

Was machst du beruflich?

Ich bin unabhängiger, freiberuflicher Marine Surveyor.

Was ist dein Lieblingsteil dieser Reise?

Die Entwicklung der Schüler zu beobachten.

Wie alt bist du und wo wohnst du?

Ich bin 44 und wohne in Hamburg.  

Das Interview führten Lilli und Emily.

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Die Stammbesatzung (Michael – unser Steuermann)

Warum bist du auf der Thor?

Drei Tage vor der Abfahrt hat mich ein Kollege angerufen und gefragt, ob ich Lust habe einzuspringen, weil jemand abgesprungen ist. 

Was ist dein schönstes Erlebnis auf der Thor?

Unter Segeln den Oslofjord nach Norden hinauf fahren.

Welches ist dein Lieblingsplatz?

Das Poopdeck.

Welches ist dein schönstes Erlebnis mit uns?

Der Ausflug ins Fram Museum in Oslo.

Welches deine Lieblingswache?

Ich habe keine Wache.

Seit wann bist du auf der Thor?

Dies ist meine erste Reise.

Was ist deine Aufgabe auf diesem Törn?

Ich bin Steuermann.

Was machst du beruflich?

 Ich bin Rentner, deswegen mache ich nichts, aber früher war ich Seelotse.

Wie alt bist du und woher kommst du?

Ich bin 66 und komme aus Brunsbüttel.

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Die Stammbesatzung (Marianne – Projektleitung)

Warum bist du auf der Thor?

Weil ich Spaß daran habe, Menschen an Situationen wachsen zu sehen.

Was ist dein schönstes Erlebnis auf der Thor?

Das kann ich nicht auf eine Erfahrung beschränken. Hier ein paar: Die fliegenden Fische an Deck, der Stern des Südens, die Millionen Sterne, das Schlafen unter freiem Himmelszelt mitten auf dem Atlantik und die vielen fröhlichen, begeisterten, nachdenklichen Gesichter, die ich während der vielen Fahrten sehen und kennenlernen durfte

Was ist dein Lieblingsplatz auf der Thor?

Die Mars beim Hafenfein packen und Achterkante Ruderkasten.

Was ist dein schönstes Erlebnis mit uns?

Die Schüler beim Seegang im Rigg zu beobachten und über sich hinauswachsen zu sehen, die kameradschaftlichen Aktionen untereinander und zu erleben und dabei zu sein, wenn jemand über seinen Schatten springt.

Welche ist deine Lieblingswache?

Die Hundewache von 0-4 Uhr, da man Ruhe im Schiff hat und man jedesmal gefühlt einen Tag dazu gewinnt.

Seit wann bist du auf der Thor?

Seit 1991, glaube ich. Ich war Lehramtsstudentin und bin von einer Sportkommilitonin (Tante Renate) gefragt worden, ob ich nicht Lust hätte, sie von einer Atlantiküberquerung mit der THOR abzuholen. Klar hatte ich Lust und bin somit auf der letzten Etappe von Brest nach Kiel auf meinen ersten Ausbildungstörn gefahren.

Was ist deine Aufgabe auf der Thor?

Ich bin die Projektleitung und für alles und nichts zu haben und gut :) … planen, Wache gehen, auswerten, Backschaft machen, Blogeinträge schreiben, am Tampen ziehen, Kontakt zu Eltern halten, Ruder gehen, Rein Schiff machen, Fordern, Unterricht gestalten, Fördern, Ausguck gehen, Lachen, Absprachen mit Stamm und Schiffsführung treffen, Vorbereitungen in der Schule treffen, Segel packen, Präsentationen vorbereiten, Run und Dippen mit Lied und Spaß vorweg, begleiten und dabei sein …

Was machst du beruflich?

Ich bin Lehrerin am Gymnasium Blankenese.

Wie alt bist du und woher kommst du?

Ich bin 53 und komme aus Hamburg.

DasInterview führten Lilli und Emily.

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Die Stammbesatzung (Heidi – Lehrerin)

Warum bist du auf der Thor?

Weil ich alle Möglichkeiten, die unsere Schule bereitstellt, erfahren wollte. Außerdem bin ich ein Fan von erlebnispädagogischen Angeboten und dies ist ein besonders Intensives, an dem die Schüler enorm wachsen können, wenn sie sich darauf einlassen. Meine Liebe zur Ostsee war bei dieser Entscheidung auch nicht ganz nebensächlich :-)

Was ist dein schönstes Erlebnis auf der Thor?

Ich kann mich nicht auf Eines festlegen: Der erste „Run and Dip“ vor Bastoy war sehr befreiend. Der Führung durch die Oper mit abendlichen Konzertbesuch war sehr beindruckend, ebenso wie der Ausblick vom Holmenkollbakken (Skisprungschanze) und der leider viel zu kurze Spaziergang durch den Vigeland-Park.  Die Zubereitung von den fünf sehr großen Lachsforellen zusammen mit Charlotte und der Schülerbackschaft war auch ein eindrucksvolles und sehr schmackhaftes Erlebnis. Uns begleiteten auf dem Rückweg Schweinswale, auch das war sehr besonders.

Was ist dein Lieblingsplatz auf der Thor?

Steffens Hängematte auf dem Achterdeck und die Saling, manchmal auch meine Koje :-)

Was ist dein schönstes Erlebnis mit uns?

Das „Besan-Schot-an“, die schönen Sonnenuntergänge und das Gelächter.

Welche ist deine Lieblingswache?

Die Wache von 4-7 Uhr, weil fast das ganze Schiff schläft und und erst langsam zwischen sechs und sieben erwacht. Je nach Breitengrad war es vier Uhr stockdunkel oder schon wieder dämmrig. In jedem Fall war der Sonnenaufgang dabei.

Seit wann bist du auf der Thor?

Inzwischen seit drei Wochen, jedoch war ich bereits vor zwei Jahren zum Geburtstag von Marianne auf der Thor.

Was ist deine Aufgabe auf der Thor?

Ich bin Mitglied einer Wache, jedoch hauptsächlich betreuende Lehrerin.

Was machst du beruflich?

Ich bin Lehrerin am Gymnasium Blankenese.

Wie alt bist du und woher kommst du?

Ich bin auf dem Schiff 40 geworden wohne in Hamburg und komme aus Zingst.

Das Interview führten Lilli und Emily.

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Schiffsübergabe Tag 1

Blog vom 12.06.19

Nun also die Schiffsübergabe…Nachdem wir schon im Voraus viel über die Schiffsübergaben nachgedacht haben und uns fragten wie diese wohl ablaufen würde und Matthias uns dann gestern aufklärte und uns auftrug ein Reiseplanung der Stammbesatzung vorzulegen, in welcher wir Routenplanung, Kombüsenplan und die Rollenverteilung festlegten, ging es nun heute morgen um 0030 los, nachdem wir von unserem sehr gemütlichen und leckerem Grillabend von Land in der Dunkelheit zurück an Bord kamen. Wir versammelten uns alle auf dem Hauptdeck und dort hielt Matthias noch einmal eine Ansprache in der er vor allem Leif, unseren selbst gewählten Kapitän über seine Pflichten belehrte und die in diesem Fall auf ihn zukommende Arbeit. Weiterhin erläuterte er ihm, welche Verantwortungen er nun als Hauptverantwortlicher zu tragen hatte. Dabei ging es um das Schiff, das Wohlergehen der Besatzung, die Umwelt, ein verantwortungsbewusster Umgang mit den Ressourcen und als Verkehrsteilnehmer im Seegebiet. Unsere Aufgabe war es, das Schiff in die Howachter Bucht bis zum Donnerstag, 11:00 Uhr zu verlegen.

Dann ging es richtig los! Das Schiff wurde von Matthias an Leif übergeben. Dieser sagte selber noch kurz ein Paar Worte und dann ging es für alle, bis auf die, die noch Ankerwache gehen mussten, ins Bett, denn es sollte bereits um 0300 der Anker gehievt werden. Als ich um 0330 auf das Achterschiff kam, hörte ich das Ankerspill immer noch laufen. Die Bootsleute hatten wohl vergessen, den Gang zum Hieven einzulegen. Mit einer halbstündigen Verspätung hiess es dann „Start Hauptmaschine“ und wir fuhren. Ich spürte eine positive Aufregung bei allen. Leifs eigentlicher Plan, nach einer Stunde die HM auszuschalten schlug fehl. Wir setzten im strömenden Regen den Schoner und das Groß wofür mich meine Wache, die ich dafür wecken musste, wüst beschimpfte. Leider war allerdings kein Wind vorhanden mit dem wir hätten segeln können. Dann um 0600 kam das angekündigte Signal K. „Segel setzen, wir haben Wind!“, hieß es vom Kapitän Leif. Nach anfänglichen Komplikationen und deutlicher Verzögerungen waren alle gewünschten Segel schließlich gesetzt. Dann ging es zum Frühstück. Danach erinnere ich mich nicht mehr so genau was passierte. Gefühlt haben wir (Wache 3+4) mehr Segel gesetzt bzw. geborgen als auf der ganzen Reise. Als wir die Große Belt Brücke passieren wollten, gab es einige Probleme mit der richtigen Einreihung ins Fahrwasser, wobei Michael (der tatsächliche Steuermann) eingreifen musste. Nach der Brücke trieben wir bei abnehmendem Wind, mit unter einem Knoten, übers Wasser. Daraufhin entschloss Leif, die Segel wieder zu bergen und es hiess erneut „Start HM“. Die Navigatoren entschlossen sich, mit Hilfe von Matthias, einen  Kurs gegen den Wind zu steuern, um nach ungefähr 1-2 Stunden hart am Wind zur Küste Langelands zu segeln. Nach Komplikationen und falschem Queren der Route Tango und bei welcher uns ein Tanker und ein Schiff der Dänischen Marine erschreckend nah kamen und die Stammbesatzung, nachdem sie gesehen hatten das Matthias kurzzeitig das Kommando übernommen hatte, ihre Schwimmwesten aus dem PK holte und anzogen und sich einen klein  Spaß mit uns erlaubten, segelten wir dann schließlich den gewünschten Kurs. Leider vergaßen wir die vollständige uns zur Verfügung stehende Segelfläche zu nutzen und deshalb verloren wir wertvolle Geschwindigkeit. Leider flaute der Wind gegen Nachmittag wieder ab und als wir von einem Frachter angefunkt wurden, der uns bat, das Tieffahrwasser zu verlassen, da dies die einzige Stelle ist in welcher er fahren konnte, griff Michael ein und wir mussten zusehen, dass wir das Fahrwasser schleunigst verließen. Schließlich schalteten wir die HM wieder ein. Am Nachmittag erreichte uns eine Nachricht von Herrn Soitzek (Eigner der THOR), dass in der Howachter Bucht, die unser Vorgegebenes Ziel war und wir bis Donnerstag 1100 erreichen sollten, Schießübungen der Marine stattfinden würden und wir die Thor nicht wie geplant am nächsten Morgen dorthin verholen konnten. Daraufhin beschlossen Leif und Matthias das wir die Nacht vor Anker vor der Küste Langelands verbringen würden. Allerdings nicht an der zuvor von Leif geplanten Stelle an der Südspitze Langelands. Das Problem war heftige Strömung, sodass wir trotz 290 Umdrehungen des Motors nur mit 2,5 bis max. 3,2  Knoten vorankamen. Nach dem abschließenden Ankermanöver wurden wir nachts um 2230 noch einmal in die Messe bestellt. Wir bekamen nach kurzen Resume von Leif ein Zwischenfeedback von Matze und der Stammbesatzung. Für mich hörte es sich an, als hätten wir alles falsch gemacht! Allerdings betonte Matze am Ende, dass wir uns im Großen und Ganzen gut angestellt hätten. Ich glaube es war während der gesamten Ansprache noch nie so ruhig wie heute Abend in der Messe. Die Müdigkeit stand uns allen ins Gesicht geschrieben. Ich hatte selber in den letzten 24 Stunden nicht mehr als 2 Stunden geschlafen. Todmüde fielen wir ins Bett. Trotzdem freuen wir uns auf Tag 2 und hoffen, dass wir uns morgen einige unsere Fehler besser mache können und das Schiff weiter sicher führen können. 

P.S. Ich merke während ich diesen Block schreibe, wie schnell die Zeit vergangen ist und mir wird klar das wir bereits morgen zurück in Hamburg bzw. Kiel sein werden. Allerdings fällt mir auch auf wie lange ich auf diesem Schiff schon bin und es inzwischen wie ein Zuhause für mich geworden ist und wie viel ich gelernt und erlebt habe.  Es wird mir klar, wie sehr ich die THOR, den Alltag und den wenigen Schlaf gepaart mit der Anstrengung vermissen werde. Und doch freue ich mich auch ein bisschen auf Zuhause und vor allem auf mein Bett.

Bis ganz bald 

Antonius  

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Tag 2 der Schiffsübernahme & Exkurs: Schlafrhythmus auf der Thor – „Schlaf ist komplett überbewertet!?“

02:00: „Guten Morgen. Es ist zwei Uhr. Du hast gleich Ankerwache. Aufwachen!  Es sind 15 Grad C° und 3 Windstärken aus Süd. Komm schon, du hast Wache!“ – so beginnt der Tag. Kurzer Rückblick: da wir am gestrigen Tag bei weitem nicht so weit gekommen sind wie wir wollten, und die Marine sich überlegt hatte, dass es doch eine  gute Idee sei, in dem von uns zum Ankern geplanten Gebiet Schießübungen abzuhalten, liegen wir nun im südlichen Drittel der Insel Langeland vor Anker. Zu schreiben, ich wäre beim Aufstehen müde gewesen, wäre die größte Untertreibung zwischen Hamburg und Oslo seit Menschengedenken. Denn: am gestrigen Abend (12.06.2019) lag ich in meiner Koje, 21:30 Uhr, todmüde, da kommt mein Wachführer Alex herein und sagt: „Wir ankern. Es müssen alle Segel geborgen werden. Bist du dabei?“ Ich hätte liegen bleiben können. Hätte… Hätte… Aber ich hatte ihn gerade 15 Minuten vorher gebeten mich immer, für jedes Manöver, zu wecken, also nichts mit hätte; „Ich will nochmal richtig Segeln“, habe ich ihm gesagt. Also, raus aus dem Schlafsack, raus aus der Koje, raus aus der Kammer, rein ins Ölzeug, rauf aufs Deck, gemeinsam mit allen Verfügbaren die Segel bergen, wieder unter Deck. Endlich schlafen? Nein. Die Stammbesatzung, unter Führung von „Phasenweise-nicht-Kapitän“ Matthias und Marianne, hatten sich entschlossen, uns ein dringend notwendiges „Zwischenfeedback“ zu geben. Unstimmigkeiten und Fehler des Tages wurden beleuchtet; jeder nahm seinen Teil aus dieser offenen, konstruktiven, kritischen Gesprächsrunde mit. Einziges Manko: es war 24 Uhr bis ich wieder in meiner Koje lag. Immerhin hatte ich noch 2,5 Stunden Schlafenszeit bis zur Ankerwache. In meinem Fall bedeutete das, dass ich zusammen mit einem anderen Mitglied meiner Wache, Jakob, für die Dauer von eineinhalb Stunden, das Wetter dokumentieren, die Sicherheit des Schiffes gewährleisten und peilen werde. (Allesamt Aufgaben denen ein gewöhnlicher Blankeneser Schüler zwischen halb 3 und 4 Uhr morgens normalerweise nicht nachgeht – aber „wat mutt, dat mutt!“) Um 4 Uhr kam die Ablösung aus Wache 2.  Hurra, schlafen bis 7 Uhr. Dann wieder: verträumtes Aufstehen und Frühstück, wie fast jeden Morgen in den letzten drei Wochen. Durch unseren tatkräftigen Bootsleute Pelle, Greta und Sarah und die Maschinisten Paul, Paul und Alex wurde der Anker gehievt und wir begannen zu motoren südwärts, Richtung Heimat. Unseren selbstgewählten Bootfrauen, Bootsmann und den Maschinisten zolle ich  großen Respekt, wie sie ihren Aufgaben nach bestem Wissen und Gewissen nachkamen und dabei ihre Koje noch weniger sahen, als wir „normalen“ Matrosen. Nach dem Frühstück setzten wir alle Segel. Die Stimmung war großartig. Alle waren erschöpft, müde, aber da jeder wusste, dass es dem Nebenmann genauso ging, ließ sich keiner hängen. Keine Mätzchen, keine Sticheleien, keine Hänseleien; einfach funktionieren. Alle arbeiteten zusammen, hatten Spaß, waren Teil der Gruppe. Das Wetter klarte auf; Sonnenschein. Für mich war dieser Moment einer der Schönsten auf der ganzen Reise. Der Wind schlief ein, so dass kurz südlich Langeland auf der Anzeige „negativer Vortrieb“ angezeigt war. Wir mussten also wieder motoren. Den Sonnenschein an Deck genossen wir, während wir zu Mittag aßen und die Marine bei ihrem Manöver beobachteten. Nach Rücksprache mit meinem Wachführer nutze ich, wie zirka 10 Andere das Wetter um das „Mastgeheimnis“ des Großmastes zu lüften. Der Ausblick 32 Metern Höhe war phänomenal. Der Nachmittag raste hinweg, bis wir alle um 16:30 Uhr auf dem Hauptdeck antraten, um nun Kapitän Matthias sein Schiff  wieder zurück zu übergeben. Erste gemeinsame Aktion war ein „Schwimmen von Bord bei treibendem Schiff.“ Alle gingen Schwimmen; und die, die nicht wollten, wurden „zwangsgebadet“, in voller Montur, sie hätten sich schließlich ja schon rechtzeitig selber umziehen können – ein riesiger Spaß für alle Beteiligten.  Leider verschob sich das Abendessen etwas, da auch die Backschaft, das 15 Grad C° warme Wasser genoß. Wir nutzten die Zeit in mehreren, nach Aufgabenbereichen (während der Schiffsübergabe) eingeteilten, Gruppen. Wir befassten uns mit 3 zentralen Fragen: „Was nimmst du für dich selbst mit?“ „Was nimmt die Gruppe mit?“ „Wie hat die praktische Umsetzung geklappt und gibt es Verbesserungsvorschläge?“ Bei einer abschließenden Besprechung im Plenum wurde deutlich, dass jeder für sich, Führenden und Geführte, aber auch die Gruppe als Ganzes, viel gelernt hat. Die beschrieben Gruppen-Situation am Mittag, wurde von allen Teilgruppen gleich positiv aufgefasst, die Gruppe als solche sehr gelobt. Als Verbesserungsvorschläge wurden die Kommunikation und die Koordination, untereinander und zwischen den Abteilungen, angemerkt. Wir alle gewannen Respekt dafür, was die Stammmannschaft und die Schiffsführung hier so selbstverständlich und alltäglich neben vielen weiteren Aufgaben leistet. Auf diese Besprechungsphase folgt das Abendessen. Doch auch hier verspäteten sich unsere Bootsmänner; sie ließen den Anker fallen. Nun waren wir in der Strander Bucht, in fast heimischen Gewässern, vor Anker. Nach dem Abendessen versammelten wir uns auf dem Hauptdeck und bauten mit Isomatten, einem Sonnensegel und einem Betttuch ein „Open-Air-Kino“ auf. „Master und Commander“ – ein Erlebnis einen Schiffsfilm bei leichtem Schaukeln, einer frischen Brise und Sternenhimmel zu sehen. Zwei Stunden dauert er – also 1:30 Uhr Schlafenszeit, Hurra! ☺

Exkurs: Schlafrhythmus auf der Thor – „Schlaf ist komplett überbewertet!?“

Da dieses Thema, gerade in den letzten zwei Tagen, aber auch insgesamt, seit der Abfahrt aus Oslo, von großer Bedeutung war, folgt eine kurze Erläuterung zum Thema Schlafen. 

Die Überschrift impliziert, dass man auf „der Thor“ einen Schlafrhythmus hat. Dem ist nicht so. Man schläft, wann man kann; so einfach ist das. Im Regelfall kann man auch immer sofort einschlafen, da eine latente „Grund-Müdigkeit“ immer vorhanden ist. Nachts schläft kaum jemand mehr als 5 Stunden am Stück. Gerade die Nachtwache von 1 bis 4 (Wache 1) ist hier herausgefordert. Dafür darf sie, bei Fahrwache, dann aber auch bis 10 Uhr frühstücken. Für alle problematisch ist der Schlaf, während wir vor Anker liegen. Diese Tage werden oft genutzt, um verschiedenste Aufgaben zu erledigen, die im regulären Fahrbetrieb nicht erfüllt werden können. Dann werden die Tage oft bis in die Nacht hinein verlängert. Auch die Tage von Expedition und Schiffsübergabe waren für viele von Schlafmangel geprägt. Der Irrglaube, das Segelnde Klassenzimmer sei eine 3-wöchige „Entspannungsfahrt“, lässt sich an dem Beispiel des Schlafens restlos zurückweisen. Diese Beschreibung der Realitäten an Bord soll aber keinesfalls kommende Jahrgänge von der Teilnahmen am Segelnden Klassenzimmer abschrecken. Unter den gegebenen Rahmenbedingungen arrangiert man sich mit dem wenigen Schlaf. 

„Schlaf ist komplett überbewertet!?“ – Nein, aber ich habe begriffen, dass um 7 Uhr aufstehen ausschlafen bedeutet.  

Julius

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Nicht nur Schüler verlieren Dinge.

Kultureller Beitrag zum Verlust meiner blauen Swatch.

„Zeit“

– mal fliegt sie, mal scheint sie still zu stehen
schon eine Ewigkeit an Bord, so scheint es vielen zu gehen
gleichzeitig Bergfest – was? schon?
ich, zeitweilen
ohne Uhr zeitlos glücklich
vermutlich war sie gekränkt,
dass sie in der Wäsche sich hat ertränkt
wie’s kam, dass ist ein Rätsel mir,
ich hab ja keine Wäsche hier
nun ja, ich hoff, dass sie’s mir dann verzeiht
denn irgendwann ists doch soweit,
dass ich sie brauch, das gute Stück
ich bitt euch drum, gebt sie zurück.

Marianne

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Die Stammbesatzung (Steffen)

Ehrenamt in höchstem Maße (und auf hoher See) – Hier ein kleiner Überblick, wer in diesem Jahr unsere Gruppe begleitet:

Warum bist du auf der Thor?

Ein Freund hat mich vor 14 Jahren zur Thor gebracht und seitdem bin ich vom Thorfieber infiziert.

Was ist dein schönstes Erlebnis auf der Thor?

In Mexiko in 30 Metern Höhe auf dem Großmast sitzen um Reparaturarbeiten durchzuführen.

Welches ist dein Lieblingsplatz?

Die Saling auf dem Schonermast.

Welches ist dein schönstes Erlebnis mit uns?

Das Stockbrot am Lagerfeuer während der Expi mit Wache 1, was auch das erste Stockbrot meines Lebens war. 

Welche ist deine Lieblingswache?

Die von vier bis sieben, weil man immer den Sonnenaufgang und den Sonnenuntergang hat.

Was ist deine Aufgabe auf diesem Törn?

Ich bin Copi von Wache 1. 

Was machst du beruflich?

Ich verkaufe Software. 

Was ist dein Lieblingsteil dieser Reise?

Die Expi.

Wie alt bist du und woher kommst du?

Ich bin 56 und komme aus Berlin.

Das Interview führten Lilly und Emily.

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Kommt gut heim!

„Es ist der erste verschlafene Blick am Morgen (wenn auch nicht mit annähernd so schweren Lidern, wie den Euren) und der letzte vor der (an Land echten und meist nicht durch aktives Herumklettern im Rigg unterbrochenen) Nachtruhe im heimischen Bett: Marinetraffic und das herrliche Blog bringen uns die Thor – Euch als mittlerweile sicher eingeschworene Seemannschaft – ein wenig näher. 

Der Aspekt der Nähe, wie häufig sehr ambivalent. Ausgezogen seid Ihr, um Euch in der Ferne zu probieren. In Euren wunderbaren Blogeinträgen klingt schon jetzt an, dass in Eurer Brust zwei Herzen pochen – eines, das sich nach dem Festland sehnt, das andere verhaftet in der nun wirklich bei allen entfachten Sehnsucht nach dem weiten Meer, dem Weg als Ziel. Welch ein Geschenk. Bewahrt Euch jeden Moment, jedes Manöver, jede Brise, jeden Ausblick. Wie schön ist es, aufbrechen zu können, mit dem Wissen, dass es einen Heimathafen gibt, den man ansteuern kann. Immer. Mitunter auch in Sturm und Wellen und im Zickzackkurs. Das Leben…

Kommt gut heim!“

Peter und Lilly Kübler

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Die Stammbesatzung (Claudia)

Ehrenamt in höchstem Maße (und auf hoher See) – Hier ein kleiner Überblick, wer in diesem Jahr unsere Gruppe begleitet:

Claudia schreibt als Wachführerin ins Schiffstagebuch

Warum bist du auf der Thor?

Ich möchte meine Erfahrungen, die ich als Schülerin gesammelt habe an andere weitergeben, außerdem lerne ich gerne neues und durch die Liebe zum Meer zieht es mich immer wieder aufs Schiff.

Was ist dein schönstes Erlebnis auf der Thor?

Da gibt es viele, auf jeden Fall die sternenklaren Nächte auf dem Atlantik.

Was ist dein Lieblingsplatz auf der Thor?

Vorne im Vorschiff auf den Tampen und auf dem Klüverbaum.

Was ist dein schönstes Erlebnis mit uns?

Mein Geburtstag am Montag, weil wir in der Ostsee baden konnten und es frischgebackene Zimtschnecken zum Frühstück gab. 

Welche ist deine Lieblingswache?

Die Wache von 10-01 Uhr, da man die schönen Sonnenuntergänge sehen kann, aber trotzdem genug Schlaf bekommt.

Seit wann bist du auf der Thor?

Ich war das erste Mal vor 18 Jahren als Schülerin auf der Thor und bin seit zwei Jahren als Stamm dabei.

Was ist deine Aufgabe auf der Thor?

Ich bin Wachführerin der Wache 4 (ehemalig Wache 3) und meine Sekundäraufgabe ist das Proviantmanagement. 

Was machst du beruflich?

Ich arbeite als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bundesinstitut für Berufsbildung.

Wie alt bist du und woher kommst du?

Ich bin 36 (seit Montag) und komme aus Bonn.

Das Interview führten Lilli und Emily. Das Foto machte Heidi.

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